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ISO 15614 — Wann brauchst du eine Verfahrensprüfung?

Die Verfahrensprüfung nach ISO 15614-1 ist der teuerste Pfad zur WPS. Er ist nicht immer nötig — für 70–80 % der KMU-Fälle reichen Standard- oder Schweißzusatz-Verfahren. Dieser Leitfaden erklärt den Entscheidungsbaum.

Letzte Aktualisierung: 27.06.2026 · Lesezeit ca. 8 Min

Was ist eine Verfahrensprüfung nach ISO 15614?

Die Verfahrensprüfung (auch WPQR — Welding Procedure Qualification Record genannt) ist der formale Nachweis, dass ein Schweißverfahren für eine bestimmte Werkstoff-Naht-Kombination geeignet ist. Dabei wird ein Teststück geschweißt und anschließend zerstörend geprüft (Zugversuch, Kerbschlagbiegeversuch, Härteprüfung, Biegeprüfung). Die Kosten liegen bei 1.000–3.000 € pro Prüfung, die Durchlaufzeit bei 2–4 Wochen.

Wann ist ISO 15614 nötig?

Die Verfahrensprüfung ist in folgenden Fällen zwingend:

  • Sonderlegierungen: Werkstoffe außerhalb der in ISO 15612 abgedeckten Gruppen (z.B. 1.4462 Duplex, Nickelbasis-Legierungen).
  • Kritische Anwendungen: Druckgeräte nach DGRL, wenn AD 2000 HP 5/2 die Verfahrensprüfung explizit fordert.
  • Außergewöhnliche Naht-Geometrien: Wanddicken über 50 mm, extreme Positionen oder Sonderverfahren.
  • Norm-Auflage: EN 1090-2, ISO 3834-2 oder Auftraggeber fordern explizit eine WPQR.

Wann ist ISO 15614 NICHT nötig?

Für die meisten EXC1-/EXC2-Kombinationen brauchst du keine Verfahrensprüfung. Wenn eine der folgenden Bedingungen zutrifft, ist ein Standard- oder Schweißzusatz-Verfahren ausreichend:

  • Werkstoff ist in ISO 15612-Tabelle 1 abgedeckt (S235/S355 in MAG/WIG, Blechdicke 3–25 mm).
  • Schweißzusatz-Werkstoff-Kombination ist vom Hersteller nach DIN EN ISO 2560/14341/636 nachgewiesen.
  • EXC1- oder EXC2-Anwendung ohne DGRL/Druckgeräte-Bezug.

Der Entscheidungsbaum in der Praxis

Für die meisten KMU-Metallbaubetriebe läuft die Entscheidung so:

  1. Werkstoff prüfen: Ist es S235/S355 oder ein Standard-Edelstahl (1.4301/1.4571)?
  2. Verfahren prüfen: Ist es MAG 135/138 oder WIG 141 in Standard-Blechdicken?
  3. Wenn ja → ISO 15612 (Standard-Schweißverfahren) reicht — keine Verfahrensprüfung nötig.
  4. Wenn nein → Prüfe, ob die Schweißzusatz-Kombination vom Hersteller nachgewiesen ist. Wenn ja → ISO 15610/15611. Wenn nein → ISO 15614.

Kostenrechnung

Bei 30 WPS im Betrieb:

  • Mit ISO 15614 für alle 30: 30 × 2.000 € = 60.000 € einmaliger Aufwand.
  • Mit ISO 15612 für 25 + ISO 15614 für 5 Sonderfälle: 25 × 80 € Lizenz + 5 × 2.000 € WPQR = 12.000 € einmaliger Aufwand.
  • Ersparnis: 48.000 € (80 % weniger Kosten).

Wie die WPS-Bibliothek hilft

Die WPS-Bibliothek liefert für die meisten Standard-Kombinationen vollständig ausgefüllte Vorlagen, die du direkt als Draft für deine Schweißaufsicht nutzen kannst. Du sparst die Erstellung/Formalisierung. Eine Verfahrensprüfung ist nur nötig, wenn die Werkstoff-Naht-Kombination nicht durch ISO 15612 oder ISO 15610/15611 abgedeckt ist — und die Bibliothek verweist in diesen Fällen auf den WPQR-Pfad.

Wie die WPS-Bibliothek bei diesem Thema hilft

Die WPS-Bibliothek liefert dir vollständig ausgefüllte Vorlagen nach ISO 15609-1 mit allen Pflichtfeldern. Du übergibst sie deiner Schweißaufsicht zur Anpassung und Freigabe — Anpassung, Validierung und Freigabe bleiben bei dir.

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