Was ist ein Standard-Schweißverfahren?
ISO 15612 (Standard-Schweißverfahren) erlaubt die Qualifizierung einer WPS durch Übernahme einer bereits in der Norm hinterlegten Standard-Qualifikation. Das bedeutet: keine eigene Verfahrensprüfung, keine 2.000 € pro Werkstoff-Naht-Kombination. Die WPS wird direkt aus den Tabellen der Norm übernommen und im Betrieb formalisiert.
Welche Kombinationen sind abgedeckt?
Die Norm deckt vor allem Standard-Stähle mit den gängigen Verfahren ab. Eine vereinfachte Übersicht:
- Werkstoffe: S235, S275, S355 nach DIN EN 10025 (Gruppen 1.1, 1.2)
- Verfahren: MAG 135/138 (135 = Massivdraht, 138 = Fülldraht), WIG 141, E-Hand 111
- Blechdicken: 3–25 mm (je nach Nahtart)
- Nahtarten: Stumpfnaht, Kehlnaht, T-Stoß
- Positionen: PA, PB, PC, PE (teilweise)
Wann reicht ISO 15612?
Wenn alle drei Bedingungen erfüllt sind:
- Werkstoff ist in ISO 15612-Tabelle 1 abgedeckt.
- Verfahren und Blechdicke liegen im Geltungsbereich.
- EXC1 oder EXC2 (für höhere Ausführungsklassen sind oft zusätzliche Prüfungen nötig).
Was du trotzdem brauchst
Auch bei Standard-Schweißverfahren musst du:
- eine vollständig ausgefüllte WPS nach ISO 15609-1 haben (alle 20+ Pflichtfelder).
- die WPS durch deine Schweißaufsicht (IWE/IWT) auf den konkreten Anwendungsfall anpassen und freigeben lassen.
- die WPS in deiner WPK-Dokumentation (Werkseigene Produktionskontrolle) führen.
Kostenersparnis konkret
Beispielrechnung für einen typischen EXC2-Metallbaubetrieb mit 30 Standard-WPS:
- Klassisch mit ISO 15614: 30 × 2.000 € = 60.000 € einmaliger Aufwand.
- Mit ISO 15612 aus der WPS-Bibliothek: 30 × 80 € Lizenz = 2.400 € einmaliger Aufwand.
- Ersparnis: 57.600 € (96 % weniger Kosten).
Wie die WPS-Bibliothek hilft
Wir liefern dir für die gängigsten ISO-15612-Kombinationen fertige Vorlagen nach ISO 15609-1 — Werkstoff, Verfahren, Nahtart, Blechdicke und Position sind bereits ausgefüllt. Du passt nur die betriebsspezifischen Parameter an (Strom, Spannung, Vorschub) und übergibst die Vorlage deiner Schweißaufsicht.